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3.1
Einleitung
Trotz
aller Bemühungen blieb die besondere regionale Wirtschaftsstruktur mit
den entsprechen-
den
Problemen für Leer und ganz Ostfriesland ein entscheidendes Defizit bis
heute. Ein grund-
sätzlicher
Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten erzeugt eine sogenannte
strukturelle Arbeitslosigkeit,
die nicht auf saisonale oder konjunkturelle
Phasen zurückzuführen ist. Auch in
Zeiten
der Vollbeschäftigung in der Bundesrepublik war die Arbeitslosenquote für
den Bezirk Leer
überdurchschnittlich.
Erklärt
werden kann die strukturelle Arbeitslosigkeit durch
-
die Bevölkerungsentwicklung
-
den starken Rückgang an Erwerbsmöglichkeiten im Bereich der
Landwirtschaft
-
den Mangel an gewerblich-industriellen Betrieben und damit an Erwerbsmöglichkeiten
in
3.2
Die Bevölkerungsentwicklung
Während
in Leer und ganz Ostfriesland bei Kriegsende und in den folgenden Jahren
die
Bevölkerungszahl
durch den Flüchtlingszustrom anstieg, kam es in den 50´er Jahren zu
einer
Abwanderung
von Personen, die sich meist im erwerbsfähigen Alter befanden. Diese zog
es aus
dem
strukturschwachen Ostfriesland in jene Gebiete, die stark am
wirtschaftlichen Aufschwung
partizipierten.
Aus diesem Grund konnte auch in Zeiten der gesamtwirtschaftlichen
Vollbeschäftigung
in Leer die Arbeitslosenquote niedrig gehalten werden.
Ab
Mitte der 70´er Jahre entstand bedingt durch die anhaltenden Geburtenüberschüsse
der
60´er
Jahre eine ausgeweitete Nachfrage nach Ausbildungsplätzen. Diesem Problem
versuchte
man
mit einem Landesprogramm Abhilfe zu schaffen, was durch zusätzliche
Ausbildungsplätze,
einem
Berufsgrundbildungsjahr u.ä. auch gelang.
Trotzdem
stieg die Zahl der Arbeitssuchenden ab den 70´er Jahren im Zuge der
allgemeinen negativen
wirtschaftlichen Entwicklung in der Bundesrepublik
auch im Bezirk Leer wieder an.
3.3
Veränderung der Erwerbstätigkeit in der Landwirtschaft
Die
Tab. 2 zeigt die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen in den einzelnen
Bereichen in ganz
Ostfriesland
von 1946 bis 1987. Dabei hat die Erwerbstätigkeit im primären Sektor
nicht nur
relativ
von 46,4% auf 8,2 %, sondern auch absolut von 68.630 auf 12.652
abgenommen.
Zwar
entstanden in anderen Bereichen neue Arbeitsplätze, die Freisetzung von
Arbeitnehmern
aus
der Land- und Forstwirtschaft und die Zunahme der Bevölkerungszahl (und
hier speziell der
erwerbsfähigen
Personen) konnten in der Region nicht kompensiert werden.
3.4
Entwicklung der Industrie
Nach
dem zweiten Weltkrieg gab es in der Region Leer nur wenige
Industriebetriebe, dabei
spielten
der Schiffbau und die Zulieferung die größte Rolle. In der Folgezeit
setzte eine positive
Industrialisierungsentwicklung
ein, die nicht nur neue Industriebetriebe brachte, sondern auch
von
einer Umstrukturierung geprägt war. Einige damals neu entstandene
Betriebe (wie ein
Büromaschinenwerk
oder eine Porzellanfabrik) existieren heute nicht mehr, haben aber einen
günstigen
Einfluss auf die Beschäftigungssituation gehabt (Gewerbesteuer,
Facharbeiter-
ausbildung
u.s.w.).
Der
Anzahl der Beschäftigten im Bereich des verarbeitenden Gewerbes nahm in
der Zeit von
1970
bis 1980 um 20 % ab, im Bereich Energie/Wasser/Bergbau waren es sogar 32
%
(vgl.
Schaeder S. 47). Weiter ergab die Untersuchung aus dem Jahre 1986, dass
das Lohn- und
Gehaltsniveau
für die Region Leer im verarbeitenden Gewerbe erheblich unter dem Landes-
durchschnitt
lag (21,1% bzw. 20,1% bei Arbeitern /Angestellten). |